4 Schmuckparty

4 Schmuckparty

Wenn es sich herumspricht, dass du aufgrund besonderer Umstände in deine Heimatstadt zurückkehrst – und dank meiner Mutter sprach sich das schnell herum – dann wollen dich alle möglichen Leute sehen. Vor allem die, die du nicht sehen willst.

So erhielt ich, noch ehe die Hälfte meiner Kisten ausgepackt war, eine Einladung zu einer Schmuckparty.

*

»Du gehst da hin«, entschied Lu.

»Wieso sollte ich?«

»Weil die sonst alle hier auftauchen. Einzeln.«

»Es werden wohl kaum alle auf dieser Party sein …«

»Natürlich nicht alle«, erläuterte Lu und machte ihr Muss-ich-dir-eigentlich-alles-erklären-Gesicht, »aber die neugierigsten. Und die können dann dein bisschen Leiden unter all den übrigen verbreiten. Fertig.«

»Aber du kommst mit.«

Lu kam mit.

»Du kommst wirklich mit?« Ich traute der Sache nicht.

»Klar. Ich bin ein Mädchen. Das ist eine Schmuckparty. Also?«

»!«

»Ich hab auch ’nen Schuhtick.«

»Nimm’s mir bitte nicht übel, aber allein aus der Tatsache, dass du drei Paar Wanderschuhe besitzt, leitet sich kein Schuhtick ab.«

»Du vergisst meine Turnschuhe.«

»Und die Gießwein-Hauspantoffeln, richtig?«

»Siehste!«

*

Wir gingen zur Schmuckparty. Lu in Trekkinghosen und ich im Sommerkleidchen, mit locker hochgesteckten Haaren.

Die Gastgeberin gab sich überzeugend warmherzig. Wir tauschten Erinnerungen und Neuigkeiten, aßen Miniquiches und tranken Asti Cinzano. Jetzt habe ich die passenden Ohrringe zu meinem Sommerkleidchen und Lu einen Satz Armbänder. Kollektion: ›Geheimnisvoller Orient.‹

Sie will Katzenhalsbänder daraus machen.

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