3 Sechs Wochen

3 Sechs Wochen

Vor sechs Wochen wohnte ich in Frankfurt. Mitten im Zentrum, auf hundertzwanzig Quadratmetern. Ich hatte ein Arbeitszimmer, ein eigenes Bad und einen begehbaren Kleiderschrank.

Ich arbeitete. Nichts Besonderes. Einer dieser Jobs, in denen man keine Karriere macht, nicht allzu gut verdient, aber auch nicht allzu viel tun muss. Nette Kollegen. Viel Routine. Der Chef ein Gelegenheitscholeriker. Wenn er brüllte, hatte man am Abend wenigstens etwas zu erzählen.

Der Mann an meiner Seite war ein großartiger Kerl, mit zurückgehendem Haaransatz und beachtlichem Jahreseinkommen. Er räumte jeden Abend die Spülmaschine ein und auf seinem Nachttisch lag Pessoas Buch der Unruhe. Es lag seit zwei Jahren da und er war auf Seite 52.

Wir kannten uns mehr als fünf Jahre und wir kannten uns gut. Alle Streitpunkte so weit ausgelotet, dass sie entweder geklärt waren oder man ihnen geschickt ausweichen konnte. Keine Notwendigkeit mehr, andauernd zusammenzuhängen. Er ging am Wochenende biken, ich mittwochs zum Yoga und allein in die Oper. Dafür sonntags Candle-Light-Dinner beim Italiener. Die Rollen waren verteilt, der Sex effizient.

*

An diesem Punkt heiratet man und bekommt Kinder. Haben wir nicht getan.

Oder man schläft mit Mimi, der Krankenschwester. Hat er getan.

So was kommt vor. Einige zerdepperte Tassen und ein halbes Jahr Paartherapie später heiratet man, bekommt Kinder und lässt die Finger vom Mobiltelefon des Partners.

Alles kein Grund zu kündigen, seine Sachen zu packen und in seine Heimatstadt zurückzuziehen. Habe ich aber getan.

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